Liebe Menschen bei Vier Pfoten,
liebes Donator-Relationship-Management-Team,
ich möchte es gleich vorweg nehmen: Ich bin ein bisschen stinkig auf Euch, weil ich mich schlecht behandelt fühle. Natürlich weiß ich, dass meine kleinen Meckereien und Bedürfnisse neben dem ganzen Tierleid geradezu kleinlich wirken müssen – nichtsdestotrotz möchte ich diese Gelegenheit ergreifen, meinen Unmut kund zu tun. Meinen Unmut darüber, dass Ihr mich behandelt, als sei ich ein zweitklassiger, und darüber hinaus auch noch verblödeter Goldesel.
Lasst mich ausholen: Vor einigen Monaten beschloss ich, meinen Spendentopf neu aufzuteilen. Der Plan war, das wenige Geld, das sich von meinem mickrigen Einkommen für gute Zwecke abzweigen lässt, möglichst sinnvoll und breit zu verteilen: Ein Teil für Entwicklungshilfe, ein Teil für Umweltschutz, ein wenig sachliche Aufklärungsarbeit und Tierrechte hier, ein bisschen aggressive Projektarbeit in Sachen Tierschutz dort. Im letzten Punkt ging der Zuschlag an Euch, und so zieht Eure Organisation seit Anfang des Jahres monatlich einen kleinen Betrag von meinem Konto ein.
Nun erwarte ich selbstverständlich nicht, dass ihr Euch vor Dankbarkeit überschlagt. Was ich aber auch nicht erwarte, ist regelmäßige Briefpost, in der Ihr auf höchst unseriöse Art und Weise das Leid und den Schmerz eines Tieres einsetzt, um meine Tränendrüse zu malträtieren – nur, damit mir noch ein paar weitere Taler aus der Tasche fallen.
Damit wir uns richtig verstehen: Ich bin gerne an Bord, wenn ich im Rahmen meiner Mittel etwas tun kann; ich verfolge regelmäßig die Berichte über Eure Arbeit und habe noch nicht mal etwas dagegen, dass Ihr ab und zu freundlich anfragt, ob ich Euch nicht noch eine kleine Extra-Spende zukommen lassen möchte. Aber, liebe Freunde des streitbaren Tierschutzes: Ich hasse es, manipuliert zu werden.
In dem aktuellen Umschlag schämt ihr Euch nicht, echte Fotoabzüge von einer Bärin beizulegen, um möglichst schnell eine emotionale Bindung zwischen diesem speziellen Tier und dem Empfänger zu schaffen. Nur, um ihm das Gefühl zu geben: Wenn du jetzt nicht spendest, dann hast du zugesehen. Tatenlos.
Verdammter Mist, was meint ihr eigentlich, warum ich für Euch spende? Weil ich glaube, dass es allen Tieren auf der Welt prächtig geht und den Köderbären im Speziellen die Sonne aus dem Arsch scheint?
Mit Verlaub: Das, was Ihr hier macht, ist schäbig, und Ihr erweist euch damit – so ungern ich es sage – einen Bärendienst.
Mit freundlichen Grüßen
Eure serotonic
Update
Antwort von Vier Pfoten: Da es mir heut an Zeit für konkrete Auseinandersetzung mangelt, bewege ich für den Moment lediglich die Frage in meinem Herzen, wie man einerseits versichern kann, Kritik ernst zu nehmen – sich aber andererseits große Mühe zu geben, ihren Wortlaut und Sinngehalt zu entstellen (rhetorische Frage, ist klar, ne?). Aber lesen Sie selbst!