Da ist der King of Pop jetzt tatsächlich ein ganzes Jahr schon nicht mehr unter uns. Ist das zu glauben?
Da ist der King of Pop jetzt tatsächlich ein ganzes Jahr schon nicht mehr unter uns. Ist das zu glauben?
Ich würde übrigens dafür plädieren, mit dem WM-en gar nicht mehr aufzuhören. WM-en hat so viele Vorteile, ich mein, alleine die nachbarschaftliche Kommunikation! Das straßenübergreifende Aufstöhnen, Jubellaute, die sich zwischen Dachgiebeln treffen; niest jemand aus dem Haus mit der Nummer 4, ruft ganz Haus mit der Nummer 6 Gesundheit!
, es ist noch genau so ein Fest, wie es das anno 2006 schon war. Also wegen mir muss das alles nicht mehr aufhören, wenn sich auch der Witz, die Vuvuzelas einfach selber mitzubrummen [Indem man bar des passenden Instrumentes das ganze Gesicht so formt, als wäre man ein Schaf, und ganz laut „Mröööööööööööö“ macht, natürlich. (Versuchen Sie doch mal bitte, das nachzumachen – schielen Sie eigentlich auch intuitiv dabei? Also ich schon. Obwohl Schafe gar nicht schielen. Sowas.)] so langsam auch in den eigenen vier Wänden abläuft.
Stell sich mal einer vor, die WM wäre jetzt nicht. Dann hätte eine Moderatorin in einem unbedachten Moment wahrscheinlich kein Sprichwort benutzt, das durchaus missverstanden werden kann, hätte wahrscheinlich nicht ganz Twitterhausen auf die gute Frau eingedroschen, hätte Welt Online wahrscheinlich der Aufhänger zum Aufreger gefehlt, hätte der Herr Niggemeier wahrscheinlich keinen Artikel über diesen Artikel geschrieben, hätte es wahrscheinlich keine 950 Kommentare lange Kommentarspalte gegeben, (und jetzt, meine Damen und Herren, komme ich zum Punkt:) hätte ich nie über mich gelernt, dass ich in der Lage bin, einer derart zermürbenden Diskussion bis zu ihrem Ende zu folgen, ohne auch nur einen klitzekleinen Wutkrampf zu erleiden; meine ehemalige Fachfrau für mentale Problemlösungsstrategien wäre sicher stolz bis ins Mark. Demnächst entwickele ich noch so etwas wie die Fähigkeit zu echter Geduld, das wird der Wahnsinn.
Aber Dings sei es vielfach gedankt, die WM ist ja. Und mit ihr all die primaesquen Zeilen vom Huck, auf die ich mich jeden Morgen so freue.
Foto: plasticrevolver (Lizenz) – Danke!
Nach über 2 Jahren knallharter Verhandlungen zwischen mir und meinem Zahnarzt wurde ich gestern der letzten Verbindung zu einem meiner Weisheitszähne beraubt. Da die Extraktionen seiner 3 Vorgänger (ich nannte sie liebevoll unten rechts, oben links und unten links) meine geradezu phobischen Vorbehalte dem Stand des Dentisten gegenüber nicht gerade zu lindern vermochten, verbrachte ich meinen gestrigen Tag in Angst, und als die süße Zahnarzthelferin mich um 16:30 Uhr für einen Moment auf dem stuhlgewordenen Marterpfahl alleine ließ, vergoss ich sehr stille, aber auch sehr unbremsbare Tränen.
Ich muss mir unbedingt für einen späteren Zeitpunkt merken, was hilflose Tränen in Mitmenschen auslösen. Meine Güte, was waren plötzlich alle süß und vorsichtig und leise, und was die alle nett an mir rumlächelten und -puschelten! Ich glaub, da sind mir glatt auch ein paar Tränen der Rührung dazwischen geraten.
Jedenfalls saßlag ich da so mit tränchennassen Schläfen und ließ mich von dieser Lampe blenden, bei der ich mir jedes Mal krampfhaft versuche vorzustellen, sie sei die Sonne und ich befände mich auf so etwas abgedroschen Schönem wie Hawaii, da sagte der mit honigsüßer Puschelstimme und ekelerregend langer Spritze bewaffnete Arzt: So, und jetzt den Mund bitte einmal ganz weit auf, ich betäube erstmal das Zahnfleisch.
Für eine Sekunde dachte ich die Möglichkeit eines trotzigen Mmm-mmm
s mit zusammengepressten Lippen durch, spielte dann aber brav die Rolle der gefügigen Patientin und ließ mich ausgiebig mit einer Nadel! im! Mundraum! stechen. (Ich möchte an dieser Stelle gerne vorwegnehmen, dass im Verlaufe dieser Gesichte keine Pointe zu erwarten ist. Nicht, dass Sie später enttäuscht sind.) Auch bei der anschließenden Betäubung des Gaumens winselte ich nur innerlich, sodass die süße Zahnarzthelferin mich mit liebevollen Worten, wie toll ich das doch alles mache, bedachte. Ich schenkte ihr daraufhin ein Lidflattern, das in vertikaler Position und mit geschlossenem Mund sicherlich hinreißend gewesen wäre, so jedoch allenfalls wie eine nervöse Zuckung gewirkt haben muss. Hoffe ich zumindest.
Der Arzt, der Gute, plauderte mich derweil in Trance. Das Warten auf das Einsetzen der Betäubung vertrieben wir uns mit einem sehr angeregten Gespräch über den menschlichen Kiefer, die Evolution und über das Kauen auf Stöcken. Am Ende konnte er mir zusichern, dass ich auch vor einigen Jahrhunderten lebensfähig gewesen und nicht aufgrund überflüssigen Zahnwerkes von der Natur ausgesiebt worden wäre, ich bin ihm da sehr dankbar.
Weniger dankbar bin ich ihm für die sehr plastische Schilderung dessen, was er wenige Augenblicke später mit massivem Werkzeug mit meinem Zahnfleisch anstellte. Ich bin ja ein sehr optischer Mensch, und ein Spiegel wäre mir in diesem Moment tausendmal lieber gewesen, als meine ungemein blutige Phantasie. Dann kam aber schon der Griff zur Zange mit der beschwingten Vorwarnung, er würde jetzt erstmal den Zahn durch sanftes Drehen lockern, und würde ich ein Knacken vernehmen, so wäre das normal. Und noch ehe ich mit meiner Ekelgänsehaut fertig war, verließen Zange und Zahn in trauter Zweisamkeit meinen Mundraum. Fertig.
Ich dachte mir so Hihi
, biss grinsend auf den Tupfer, der mir auf die Wunde gedrückt wurde, und fragte kuhäugig wie aufbissig, ob man denn nicht nähen wollen würde und ab wann gebratene Nudeln denn jetzt wieder okee wären? Nachher schon. Wow. Ich grinste weiter, holte mir demütig all die liebevollen Hab-ich-Ihnen-doch-Gesagts ab und rannte dem Mann in die Arme, der eigentlich zum Händchenhalten mitgekommen war und jetzt ein bisschen fassungslos in mein verheultes Strahlegesicht nebst Zahntütchen guckte. Eine Siebenjährige hätte nicht stolzer neben einem Türgriff stehen können.
In der Apotheke meines Vertrauens kaufte ich mir dann noch zur Sicherheit ein paar Ibuprofen, und jetzt, da ich nicht mehr auf Tupfer beißen muss und wieder richtig sprechen kann, habe ich noch ein Hühnchen mit der Apothekerin zu rupfen, die nämlich auf meine genuschelte Erklärung hin, ich wäre beim Zahnarzt gewesen, mit mitleidiger Stimme sagte: Oh, ja, stimmt. Man sieht es auch, ist geschwollen.
War. Es. Nicht.
Später dann Riesenportion gebratener Nudeln mit Erdnusssoße, USFO, gefreut für Lena, traurig für Christian Durstewitz, darüber ganz vergessen, dass ich eigentlich Schmerzen haben sollte, und dann ab ins Bett, Kühlakku mitgenommen, Kopf hochgelagert. Heute Morgen mit rechter Kopfhälfte auf blanker Matratze aufgewacht und mich erst einmal gefragt, was die zusätzlichen Kissen um mich herum denn sollen, und: Ist das Blaue da hinten etwa ein Kühlakku?
So war das. Mit mir, der Aufschieberei und meinem letzten Weisheitszahn.