Sie lächelt, zuckersüß und unerschütterlich. Während sie mit ausgestreckter Hand auf mich zuschreitet, legt sie den Kopf geradezu professionell schief. Genschmann!
, stellt sie sich vor, und als wir den souveränen Begrüßungshändedruck lösen, streift mich ihr Daumennagel. Die Berührung ist zu schwach um zu schmerzen, aber zu deutlich, um ein Versehen zu sein. Wir nehmen Platz, schlagen die Beine übereinander, legen die Hände in den Schoß und lächeln gekonnt nur wenige Zentimeter am Gesicht der anderen vorbei. Die Fronten wären also geklärt.
Frauen. Wir riechen unsere Feinde auf Meilen, spüren feinste Schwingungen, sind Meister der Manipulation und knallhart, wenn es darum geht, sich vor dem eigenen Geschlecht zu behaupten. Wir sind hochtalentierte Schauspielerinnen. Und echte Miststücke.
Ich hatte eigentlich vor, eine wuttriefende Abhandlung über „stutenbissige Machtkampfbitches“ auf beruflichem Terrain zu schreiben, aber da fiel mir glatt ein: Das habe ich alles doch hier schon ausgiebig dargelegt. Gut, da ist der Tatort die Tanzfläche, aber jetzt mal ehrlich: Groß ist der Unterschied zwischen Club und Business nicht. Wenn es um Macht geht, werden eiskalt die Ellenbogen ausgefahren, sobald das Gegenüber eine ähnliche Kragenweite hat – ob man dabei viel Dekolleté und High-Heels oder den perfekt geschnittenen Anzug und Pumps trägt. Wo keine Konkurrenzsituation besteht, wird kurzerhand eine geschaffen. Rationale Gründe sind da vollkommen schnurze, egal, wurstbrot. Prophylaxe ist alles.
Der Zusammenprall mit solchen Kampfmonstern reibt mich mehr auf, als mir lieb ist, und das hat exakt 3 Gründe:
1. Ich bin Dienstleister.
Ich arbeite also naturgemäß für meinen Kunden. Wenn der Kunde in Form einer Angestellten aber gegen mich arbeitet, leidet die Qualität des in Auftrag Gegebenen. Was vielleicht dazu dienen soll, die eigene Position im Unternehmen zu stärken, für die Sache aber schlichtweg kontraproduktiv und – nennen wir das arme Kind doch beim Namen – unglaublich dumm ist.
2. Ich verliere, ganz prinzipiell.
Ich könnte freilich in so einen Kampf einsteigen, das Messer wetzen, die Zähne blecken. Jedoch: Ich steh nicht so auf unlautere Methoden. Ich möchte mich nicht duellieren, schon gar nicht indem ich einen anderen Menschen mit Kenntnisvorteilen in die Ecke treibe und in Misskredit bringe. Im Grunde will ich mich überhauptgarnichtniemalsnimmer duellieren, Harmonie rockt viel mehr – und die Ziele, die man mit Können und Respekt erreicht, sind nicht nur mit Blattgold überzogen, sondern massiv. Und warum reibt mich das dann überhaupt auf? Weil Verlieren scheiße ist. Auch wenn man aus Prinzip verliert.
3. Es nährt das Vorurteil, Frauen wären echte Miststücke.
Da sitzt diese Frau vor mir: Offensichtlich ungemein klug, umfassend gebildet, von der Natur nur mit dem Feinsten beschenkt, in einer guten Position mit Top-Aufstiegsperspektiven in einer renommierten Firma. Und trotzdem hat sie es nötig, ihre Nägel einzusetzen und an den Haaren zu reißen wie ein verzogenes Gör, das von Verlustängsten um die beste Freundin geplagt wird, nur weil die Neue aus der Parallelklasse jetzt auch in der Über-Mittags-Betreuung ist. Es ist albern und Kraftfutter für die Behauptung, Frauen wären emotionengetriebene Zicken und fachlich nicht ernst zu nehmen.
Bevor ich jetzt von anderen Frauen Dresche beziehe: Männliche Machtkampfbitches gibt es freilich ebenso wie Sand am Meer. Die unterscheiden sich nur darin, dass sie sich das zuckersüße Lächeln sparen. Auch, wenn andere gucken. Ein Unterschied, der den Unterschied macht.
Das blonde Gift wird ganz sicher die Erfolgreichere von uns beiden sein.
Kurz gesehen.