- Frédéric Beigbeder (Brigitte Große): Neununddreißigneunzig (39,90)
- Vladimir Nabokov (Helen Hessel, Maria Carlsson, Kurt Kusenberg, H. M. Ledig-Rowohlt & Gregor von Rezzori): Lolita
- Ursula Moray Williams: Gobbolino the witch's cat
- Herman Melville (Matthias Jendis): Moby-Dick
- Joanne K. Rowling (Klaus Fritz): Harry Potter und der Stein der Weisen
- Joanne K. Rowling (Klaus Fritz): Harry Potter und die Kammer des Schreckens
- Joanne K. Rowling (Klaus Fritz): Harry Potter und der Gefangene von Askaban
- Beth Hoffman (Isabel Bogdan): Die Frauen von Savannah
- Jane Austen (Christian Grawe): Emma
- Joanne K. Rowling (Klaus Fritz): Harry Potter und der Feuerkelch
- Joanne K. Rowling (Klaus Fritz): Harry Potter und der Orden des Phöenix
- Joanne K. Rowling (Klaus Fritz): Harry Potter und der Halbblutprinz
- Joanne K. Rowling (Klaus Fritz): Harry Potter und die Heiligtümer des Todes
- Gerbrand Bakker (Andreas Ecke): Oben ist es still
- John Irving (Thomas Lindquist): Gottes Werk und Teufels Beitrag
- Steve Tesich (Heidi Zerning): Abspann
- Jane Austen (Christian Grawe): Mansfield Park
- Anke Gröner: Nudeldicke Deern
- Mariana Leky: Die Herrenausstatterin
- Charlotte Brontë (Andrea Ott): Jane Eyre
Inhalt
31. Dez 2011 Bücher 2011 (Übersicht, chronologisch)
Ausgelebte Buchverspeisung, Stockfang und korrekte Listenführung
02. Sep 2011 Buch: Harry Potter (Bände 1–3)
Ich erzählte ja bereits, dass ich die Potterromane regelrecht und fast am Stück aufaß. Das war aber nicht bei allen Teilen so. Es ist sogar eher zu befürchten, dass ich niemals über Teil 2 hinausgekommen wäre, hätte der Mann mir nicht in geradezu weiser Voraussicht die komplette Box geschenkt. (Man kann Bücher ja nicht einfach ungelesen stehen lassen, wenn sie doch nun schon mal da sind.)
Harry Potter und der Stein der Weisen
Joanne K. Rowling (Autor), Klaus Fritz (Übersetzer)
Der erste Band ist ein echtes Kinderbuch: Harry Potter, dem schmächtigen, elfjährigen Waisenjungen, der betont ungeliebt von seiner Tante und dem dazugehörigen Onkel aufgezogen wird, wird offenbart, dass er ein Zauberer ist und seine Schulzeit fortan auf der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei verbringen soll. Dort findet er in seinen Schulhaus-Kameraden Ron und Hermine zum ersten Mal in seinem Leben echte Freunde, und erlebt mit ihnen gemeinsam auch direkt sein erstes großes Abenteuer. Harry lernt also in seinem ersten Jahr auf Hogwarts nicht nur eine Menge über die Zauberei, sondern noch viel mehr über sich selbst, über seine Vergangenheit – und über die Kräfte, die in ihm schlummern.
Was im ersten Band schon auffällt, und in allen weiteren Bänden nur noch, äh, schlimmer wird, ist der verlorene Wortwitz der Übersetzung. Es vergeht kaum eine Seite, auf der man nicht ahnt, dass einem ein Wortspiel oder eine augenzwinkernde Anspielung vorenthalten wird. In einigen Fällen kommt es sogar vor, dass Dialoge einfach nicht funktionieren und Anspielungen keinen Sinn ergeben, wenn man nicht im Hinterkopf hat, wie das Ganze wohl im Original geklungen hätte.
Ich kann mir vorstellen, was für eine steinharte Nuss Harry Potter in Punkto Übersetzung gewesen sein muss: all die Zauberfachbegriffe, Wortspiele, Anagramme, unzähligen Anspielungen, Namen, Querverweise … und das alles, ohne zu wissen, wo die Autorin mit ihrer ganzen Geschichte überhaupt hin will, und von dem wahnwitzigen Publikationszeitdruck einmal ganz abgesehen. Dabei ist so Einiges auf der Strecke geblieben, und das merkt man leider – mal mehr, mal weniger. Mir wurde mehrfach empfohlen, das englische Original zu lesen; mangels Leseroutine englischer Sprache war es für mich jedoch die richtige Entscheidung, die Übersetzungen zu lesen. Wer aber Routine hat, sollte wohl besser zu Rowlings ursprünglichen Werken greifen.
Harry Potter und die Kammer des Schreckens
Joanne K. Rowling (Autor), Klaus Fritz (Übersetzer)
Und wieder ein echtes Kinderbuch: Harry befindet sich in seinem zweiten Jahr auf Hogwarts – und mit ihm zusammen das Böse, das dort sein Unwesen treibt und Gegenstand des neuen Abenteuers ist, das er gemeinsam mit Ron und Hermine bestehen muss. Im Grunde unterscheidet sich die Geschichte kaum von seinem Vorgänger, was das Buch ein wenig langweilig macht.
Dieser Teil hat als einziger Band ein ziemlich massives Schulterzucken in mir ausgelöst, und wären die weiteren Bände nicht eh schon vorhanden gewesen, ich hätte sie mir wohl nicht gekauft. Im Rückblick war Teil 2 aber geeignet, um die Figuren zu vertiefen und ihre Beziehungen untereinander auszubauen, anstatt seine eigene Geschichte zu erzählen: Es ist ein 360 Seiten starkes Sich-Sammeln und Luft-Holen – für den kommenden, dritten Teil.
Harry Potter und der Gefangene von Askaban
Joanne K. Rowling (Autor), Klaus Fritz (Übersetzer)
Jetzt geht’s lo-hos! Es dauert zwar ein paar Seiten, aber dann wird klar: Hier tut sich ganz arg was. Das hier ist kein Kinderbuch, das ist dunkel, und das ist böse, und das ist gut, und das ist spannend. Drehten sich die ersten beiden Bände lediglich um Harry und seine Erlebnisse in Hogwarts, erfährt man jetzt, dass jenseits der Schulmauern noch eine ganze Menge mehr Zauberwelt lauert – und die ist nicht gerade kindgerecht, sondern richtiggehend furchterregend. Und will zu allem Überfluss auch noch hinein, nach Hogwarts – und zu Harry.
Teil 3 hat mich mit seinem Detail- und Einfallsreichtum absolut überrascht. Ich war so völlig aus dem Häuschen, dass ich die Folgeromane erst einmal beiseitelegen musste, da ich es mit der Angst bekam, ich könne Rowling nach vier Bänden womöglich ebenso über haben, wie einst Austen. Aber: Ich war ernsthaft angefixt, und die Vermutung, dass Frau Rowling sich das alles gar nicht beim Schreiben eines jeden Buches ausdachte, sondern nach einem längst fertigen Masterplan arbeitete, tat ihr Übriges. Diese Schuljahre auf Hogwarts führten tatsächlich irgendwo hin! Mein Gott, war das spannend.
(tbc)
27. Jul 2011 Buch: Moby-Dick
Moby-Dick
Herman Melville (Autor), Matthias Jendis (Übersetzer)
Das Gröbste vorweg: Ich habe Moby-Dick nicht nur im März diesen wunderschönen Jahres auf Seite 315 von 866 beiseite gelegt, sondern seither auch nicht mehr aufgeschlagen.
Das Walthema ist für mich ein Schweres: Ich gehöre zu der Gattung Mensch, die schon angesichts der Abbildung eines Wals vor Rührung zu heulen anfängt. Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was mir passierte, sähe ich ein solches Wesen einmal tatsächlich vor mir! Der Meeresspiegel würde auf jeden Fall signifikant steigen, da bin ich mir sicher. Jedenfalls behagte mir der Gedanke, die überall und jederzeit himmelhoch gelobte Geschichte eines unglückseligen Walfanges zu lesen, nicht vollends, als ich dennoch beherzt nach dem Taschenbuch griff.
Und was soll ich sagen: Ich verliebte mich im Nullkommanichts in den Ich-Erzähler Ismael und seinen etwas schrägen Freund Queequeg, erfreute mich anhaltend an Melvilles/Jendis’ Humor und hing an seinen Lippen wie nichts Gutes. Ich wäre sogar bereit gewesen, bis an des Wales Blut zu gehen, wenn – ja wenn da nicht der literarisch ach so hoch gelobte Erzählstilwechsel wäre. Während einige Geschehnisse so dramatisch überzeichnet werden, dass man sich fühlt wie bei einem Theaterbesuch auf LSD, werden andere mit der rauschenden Beschwingtheit einer enzyklopädischen Abhandlung vorgetragen – wohingegen weitere Passagen in einer geradezu autistisch anmutenden Detailtreue und unter massivstem Einsatz ellenlanger Schachtelsätze, die diesen hier, der just in diesem Moment auf Ihr hochgeschätztes Augenlicht trifft, nicht nur mit Leichtigkeit in den Schatten stellen, sondern auch die unsäglichen Mühen, die mir seine Dichtung in der hier und jetzt vorliegende Länge bereitet haben, wie einen illustren Waldspaziergang an einem lauen Frühlingsmorgen erscheinen lassen, geschildert werden.
Kurzum: Mir riss der Geduldsfaden zu Beginn des Kapitels „Das Weiß des Wals“, und zwar aufgrund eines Satzmonsters von beeindruckenden 59 Zeilen, dessen Folgeabsätze von seitenfüllenden Einschüben flankiert werden. Mir kam der Verdacht, dass Melville an dieser Stelle beabsichtigte, die Spreu endgültig vom Weizen zu trennen, und so sei es; ich bekenne mich an dieser Stelle zum Spreutum, nicht aber ohne die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass ich, wenn ich dereinst älter, geduldiger und vielleicht auch weiser geworden bin, endlos verschachtelte Sätze und mannigfaltige Erzählstilwechsel vielleicht als kunstvoll anerkennen und am Ende doch noch auf die Seite des Weizens wechseln könnte.