Meine Bücher aus 2009 also – reichlich verspätet, aber mir wurde erst kürzlich klar, dass ich überhaupt festhalten will, was ich gelesen/gesehen/gehört habe. Seitdem führe ich eine ultrageheime Liste über meine Kinobesuche, Homekinofilme, Serien, Bücher und Alben, in der ich – alte Twitterangewohnheit – Sternchen verteile, um mich auch noch zu einem späteren Zeitpunkt an die Güte des gelesenen/gesehenen/gehörten erinnern zu können.
Für alles, was man passiv sehen und hören kann, klappt das auch wunderbar, nur habe ich bemerkt, dass mir diese Art der Liste bei Büchern nicht reicht. Sterne von 1-10, was sagt das schon? Also jetzt immer extended und häppchenweise hier im Blog, dann verwaist das arme Ding auch nicht immer so arg. (Letzten Samstag hatte es übrigens Geburtstag. Happy Birthday nachträglich, olle serokratie.)
„Von einem, der auszog, der klügste Mensch der Welt zu werden.“
Wenn ein Autor, der sich eh schon für klug hält, beschreibt, wie er der klügste Mensch der Welt werden will und deshalb die gesamte Encyclopaedia Britannica durchkaut, ist das a) fööörchterlich langweilig und b) zäh wie ein alter Reitstiefel. Ich find es menschlich eh immer schon eher mittelmäßig, wenn Intellekt als Selbstzweck eingesetzt wird, und wenn dann auch noch Wissen mit Klugheit verwech… ach, egal. Sprachlich hin und wieder amüsant, aber halt fürchterlich belanglos. Habe bei „Freud, Sigmund“ aufgegeben.
Die Vermessung der Welt hat mir in großen Zügen ungemeinen Spaß bereitet; allein sprachlich ist jeder Satz, jede indirekte Rede ein kleines Freudenfest, und natürlich habe ich mich an der Korrektheit der Protagonisten nicht nur erfreut, sondern selbst gemessen (haha). Es gab aber auch ausgiebige Momente, in denen nicht die Geschichte mich auf die nächste Seite drängte, sondern ich mich an der Sprache hinüberziehen musste.
Ein Geschenk von Garvin, über das ich mich heute noch freue.
Zu der Twighlight-Reihe hatte ich im Jahresrückblick ja schon ein paar Worte verloren. Und nach wie vor zögere ich schwaches kleines Ding, meine Liebe zu dieser Teenager-Geschichte offen zu gestehen; ich werde ja nicht gern belächelt, aber nun ja, wer wird das schon. Also wiederhole ich einfach mein bereits veröffentlichtes Statement:
Fehlender literarischer Anspruch hin, schriftstellerische Mängel her – loved it. Made me cry.
Die englischen Titel sind mit der deutschen Ausgabe verlinkt, da ich mich weigere, die Übersetzung in „Biss zum Schlagmichtot“ mitzumachen. Wie bei vielen Filmen graust es mir vor dieser tölpelhaften Übertragung des Titels in einen niedlichen, werbewirksamen Kümmerling von Deutschbrocken, der nichts mehr mit dem, was das Original sagt, gemein hat.
Hm. Ich hatte ganz im Sinne der Autoren Spaß, daran kann ich mich erinnern, aber hier kommt das aber: Die beiden Charaktere Vali und Steve schreiben im Wechsel – die Steve-Kapitel hatte ich immer schnell rum, wohingegen ich mir Vali erkämpfen musste. Ich empfand ihn als bemüht lustig und konnte mich einfach nicht mit ihm anfreunden. Auf Seite 359 von 412 habe ich „Die Wette“ beiseite gelegt und einfach nicht mehr in die Hand genommen. Vielleicht gefallen mir die letzten paar Seiten ja mit dem ¾-Jahr Abstand, ich versuch das nachher mal.
Nachtrag: Habe mich anscheinend auf den letzten Seiten mit Vali versöhnt, anders kann ich mein grunzendes Lachen zumindest nicht deuten. Erhöhe auf 6 Sterne.
Gelesen als Andruckexemplar, eine Leihgabe von Garvin, die ich so langsam auch mal wieder seinem Besitzer … ähem. Es liegt hier aber wirklich sehr sicher!
Es gibt eine Zeit des Outputs und es gibt eine Zeit des Inputs. Ich halte es derzeit mit dem Input. Lese Bücher. Lese Twitter. Lese Anke. Sie sollten auch Bücher lesen. Vielleicht Twitter. Aber auf jeden Fall Anke.
Was wollt ich? Achja. Also – ich habe gerade einen flüchtigen Moment des Outputs. Und den habe ich, weil mir mein gebäckfetter Arsch am gestrigen Abend aus Freundschaft platzte. Zugegeben, eine etwas überzogene Reaktion, ging es schließlich nur um einen doofen Artikel („der“) vor einem in orthografischer Hinsicht völlig entstellten Wort („Beebie“), aber es ist nun mal kleinkarierte Eigenanspruchsdenke, die mich allerorts so fuchsig macht.
Da gibt es doch wirklich jemanden, der einem anderen Jemand in wunderbarer Bloggermanier (aka „Ich will ja nicht mit dem Finger zeigen, ich bin ja nicht böse, und eigentlich ist es mir egal, weil es ja keine Rolle spielt, aber nun ja, ich muss halt trotzdem in diese Taste hauen, weil ich ja weiß, dass ich im Recht bin, und wo kämen wir denn hin, wenn ich nicht doch irgendwo zwischen den Zeilen meinen Anspruch unterbrächte – aber politisch und sozial natürlich völlig unangreifbar und überaus korrekt, man ist ja schließlich nicht in Arschlochhausen und reicht sich die Nutella auch mit einem ‚das‘ davor, du.“), also da gibt es doch wirklich jemanden, der einem anderen Jemand vorwirft, ihn nachzuahmen, indem er ebenfalls den Begriff „Baby“ zu „Beebie“ verzerrt und den Artikel „der“ voranstellt, um so seinen Nachwuchs zu bezeichnen.
Und jetzt tun Sie mir den Gefallen und googeln Sie nicht, ich schreib das hier nicht für Zunder und Fingerzeig, sondern als Überleitung auf diese Hegemann-Sache, war ja klar, dass auch ich meine 2 Cent noch in das eh schon überfüllte Sparschwein quetschen muss.
Das Echo, das Helene Hegemann entgegenweht, ist hart, aber blöderweise nun mal verständlich. Weichgespülte Realitätsferne („Das arme Kind. Sie ist ja noch fast ein Welpe! Haben wir nicht alle unsere Fehler gemacht, damals?“) hilft da keinem weiter; wer ganze Absätze copypastet und nur hier und dort ein Wörtlein lupft, stellt sich nun mal sehenden Auges in den Sturm. Was natürlich nicht heißt, dass man mit einem Orkan rechnen muss, da darf man auch mal ruhig ein wenig Mitgefühl mit der Jungautorin haben – aber doch bitte nicht des Alters wegen. Vielleicht eher, weil sie als einzelner Mensch jetzt im Zentrum einer Diskussion steht, die so schwierig zu führen ist und die Gemüter heiß macht, weil da ja noch ein Papa und ein Verlag und die ganze Metadiskussion um das Internet und Literatur mit dranhängt.
Und auch wenn ich die Grenze zwischen Inspiration und Ideenklau hier eindeutig für überschritten halte, brodelt’s auch in diesem Thementöpfchen, und allerlei geschätzte Literaten werden verglichen, was das Zeug hält. Frau Hegemann hat einen Nachteil, den vor ihrer Zeit niemand hatte: Heute ist es wesentlich leichter, Plagiate zu entdecken, als je zuvor. Und es ist ebenso leicht, sie gewaltig auffliegen zu lassen. Uns steht da noch so einiges an Metageschwurbel ins Haus: Wie viel ist ohne Namensnennung ok, wie wenig gilt noch als Inspiration – und ich glaube nicht, dass es da ein Maß gibt, das wir finden und auf das wir uns einigen könnten. Wir können es ja noch nicht mal bei einer Textmenge von 140 Zeichen.
Es gibt immer mal wieder die Meinung bei Twitter, man müsse seine (Wortspiel-) Tweets vor Veröffentlichung googeln – nur für den Fall, dass jemand schon vorher die selbe Idee hatte. Um die Gefahr auszuräumen, die Timeline mit einem Plagiat zu befüllen. Ein hehrer Gedanke, jedoch reichlich übertrieben, wenn man mich fragt. Ginge es darum, müssten wir wohl alle jetzt(!) sofort(!) verstummen, denn ich bin mir sicher, dass alle Wortspiele bereits gemacht wurden und jede sprachliche Idee ihre bereits veröffentlichten Verwandte hat.
Erst kürzlich twitterte eine geschätzte Verfolgte etwas knackiges, das ich in ähnlicher Weise bereits vor einem Jahr twitterte – oh weh! Als ich sah, dass dieser Tweet in einer Stunde mehrere Dutzend mal gefaved wurde, während mein Eigener nach einem Jahr gerade mal die 50-Sterne-Grenze durchstieß, da guckte ich schon ein bisschen sauertöpfisch drein. Das war mein Moment kleingeistiger Eitelkeit, meine Sekunde des Alleinanspruchs auf meiner Idee. Und als diese Sekunde vorbei war, fand mich fürchterlich armselig.
Text und Design, das sind Herzenssachen. Natürlich ärgern wir uns über Plagiate. Natürlich schützen wir unsere Marken. Aber zufällige Wiederholung kleinster Wortspiele? Allerweltsbegriffe? Durchschnittliche Kosenamen?