Als ich las, dass der Christian Menschen interviewt, um den Digital Gap zu erforschen, erinnerte ich mich an eine Diskussion: Da plöppte in einem Gespräch über das Internet in seiner Funktion als sozialer Raum plötzlich die Aufforderung auf, ich möge bitte endlich verstehen, dass der Mensch eine Seele hätte. Mein spontanes Unvermögen, diesen Gedanken mit digital ausgelebten Sozialstrukturen überein zu bringen, beendete die Diskussion in nackter Sprachlosigkeit.
Die Seele.
Ich habe mir weder Literatur zu diesem Thema angelesen, noch mich ausreichend mit der Seelenforschung an sich beschäftigt. Fest steht nur für mich persönlich, dass ich von Individuen, von einzigartigen Persönlichkeiten überzeugt bin – die Vorstellung einer unsterblichen Seele jedoch betrachte ich mit Skepsis. (Wobei ich gegen eine plausible Rückversicherung, dass am Ende alles gut wird, wohl kaum etwas einzuwenden hätte.) Alles, was ich faktisch auf der Hand habe, ist mein Gehirn, mit all seinen Nervenbahnen und seiner ureigenen Chemie. Und ich finde mein Gehirn toll! Es stellt sich in den unterschiedlichsten Situationen zwar etwas umständlich an und weigert sich partout, die Sache mit dem Dreisatz korrekt umzusetzen, aber es kann auch so unfassbar tolle Dinge.
Es kann mir zum Beispiel selbst im Tiefschlaf sagen, dass ich die Augen nur einen Spaltbreit öffnen muss, um den Mann anzulächeln, der sich zum Abschied über das Bett beugt. Es kann Hunderte von Songs abspeichern, Melodien, Texte, selbst die kitschigsten Gitarrensoli. Es kann meinen Körper dazu tanzen lassen, während meine Stimme ihn begleitet. Es kann machen, dass mir das Herz wehtut, wenn ich etwas verliere, das ich liebe. Und es kann mich tiefen Frieden empfinden lassen, wenn ein simpler Sonnenstrahl mein Gesicht trifft. Das alles ist für mich unglaublich kostbar. So kostbar, dass auch ich gerne ein sicheres Gefäß hätte, worin ich all das aufbewahren könnte – um vorbereitet zu sein, wenn fremde Zeiten kommen. Um mich nicht fürchten zu müssen.
Eigentlich fürchte ich mich nicht oft – im Grunde bereiten mir nur die Dinge Angst, die ich nicht verstehe. Den Tod, beispielsweise, den verstehe ich nicht, der stellt sich einfach hinters Ruder und steuert mein Schiff in einen Hafen, über den ich gar nichts weiß. Und wahrscheinlich geht es, wenn auch eine Nummer kleiner, dem eingangs erwähnten Menschen ähnlich: Er teilt meine Angst, die Kontrolle zu verlieren, Terrain zu betreten, von dem er nichts versteht. Und ich schäme mich heute ein bisschen dafür, seine Angst mit Unverständnis quittiert zu haben.
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